trivialkultur.de http://www.trivialkultur.de Teil der ich-gestörten deutschen Seele Sun, 06 Mar 2011 15:19:46 +0000 de-DE hourly 1 Polaroid Paranoid VII 2011/03/06/polaroid-paranoid-vii/ 2011/03/06/polaroid-paranoid-vii/#comments Sun, 06 Mar 2011 15:19:08 +0000 Lars ?p=907 Fotografien von Jessica S.

Arschbombe

Der Haken

Fernweh

Gefroren

Hagebutten

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Musik zum Sonntag! 2011/02/27/musik-zum-sonntag-2/ 2011/02/27/musik-zum-sonntag-2/#comments Sun, 27 Feb 2011 19:15:46 +0000 Lars ?p=905 Danke liebe Jessica!

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Eine Frage des flüchtigen Glaubens 2011/02/26/eine-frage-des-fluchtigen-glaubens/ 2011/02/26/eine-frage-des-fluchtigen-glaubens/#comments Sat, 26 Feb 2011 15:41:12 +0000 Lars ?p=887 Immer häufiger wenn Medien sich widersprechen hat keiner Recht. Verlierer ist der flüchtige Leser, der sich von skandalisierenden Autoren aufs Glatteis führen lässt. Hier ein Paradebeispiel:

Ein kurioser Fall. Ein Angestellter eines Supermarktes mit muslimischen Glauben strengt eine Klage vorm Arbeitsgericht an, weil er aus Glaubensfragen keinen Umgang mit Alkohol haben will (aus seiner Sicht, haben darf). Der Fall geht durch die Instanzen und am Ende wird ein Urteil gefällt.

Die FAZ titelt am Freitag den 25.2:

Am gleichen Tag der Soester Anzeiger:

Dass in diesem Fall keine der beiden Überschriften den Leser zum Ziel führt, wird erst bei eingängiger Beschäftigung mit dem Sachverhalt klar. Die Sache ist nämlich: Genau in diesem Fall hat das Gericht garnicht entschieden, ob der Angestellte seinen Job wieder bekommen kann, ohne Bier einzuräumen oder eben nicht.

Entschieden wurde, dass wenn ein Arbeitgeber die Möglichkeit hat einen Arbeitnehmer in einem anderen Betriebsteil zu beschäftigen, dieser wegen der Weigerung aus Glaubensgründen nicht entlassen werden darf.

Die Prüfung des Einzelfalls wurde wieder an die vorherige Instanz zurück geleitet.

Die einzige direkte Konsequenz die sich nach dieser Berichterstattung aus dem Urteil ableiten lässt, ist eine weitere gesellschaftliche Verunsicherung und größere Vorurteile gegen Angestellte muslimischen Glaubens. Arbeitgeber selbst werden wenig ins Zittern kommen. In der Regel stellen sie Personen mit einer klaren Aufgabenstellung ein. Sollte dieser sich später aus Glaubensfragen nicht mehr bereit erklären die gestellten Aufgaben zu erledigen, wird kein Gericht verlangen ihn in einer anderen Position (mit anderem Aufgabengebiet) weiter zu beschäftigen. Der Fall liegt nur anders, wenn wie in diesem Fall geprüft wird, ob der Arbeitgeber nicht noch eine andere passende Aufgabe für den Angestellten hat. Hat er diese, sollten doch beide froh sein. Beiden wird geholfen. Dieses Urteil ist also gut für Arbeitgeber und Arbeitnehmern.

Hat der Arbeitgeber diese Aufgabe aber nicht, muss der Angestellte den Hut nehmen. So ist das halt.

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Musik zum Sonntag 2011/02/20/musik-zum-sonntag/ 2011/02/20/musik-zum-sonntag/#comments Sun, 20 Feb 2011 07:59:50 +0000 Lars ?p=883

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Iron & Wine 2011/02/06/846/ 2011/02/06/846/#comments Sun, 06 Feb 2011 09:37:17 +0000 Lars ?p=846 Musik zum Sonntag

Mit Dank an Jessica!! Tolle Musik!

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Finis coronat opus. 2011/02/03/809/ 2011/02/03/809/#comments Thu, 03 Feb 2011 18:52:03 +0000 Nadine ?p=809 Das Ende krönt das Werk – so drückte es ein seinerzeit berühmter römischer Dichter einst aus. Das sehe ich seit heute Abend verdammt anders. Mein Ende hinterlässt mich zerrissen, verwirrt und unentschlossen. Ein Zustand, dem ich selten etwas Gutes abgewinnen kann. Im folgenden lesen Sie, inklusive Einleitung, welcher Gedanke mich zu welchem Ende bringt.

Medien und Gesellschaft sind sich in letzter Zeit verdammt einig, geht es um den zügellosen Fleischkonsum der Deutschen, der die Landwirtschaft in die Amerikanisierung treiben würde. Stimmt es wirklich? Kommt die Durchschnittsfamilie nicht mehr ohne Salami und Bolognese durch den Tag? Oder ist dieser Konsum lediglich die Folge der Billigpreisstrategie, die “frische Hähchenschenkel” für 29 Cent das Kilo in kein Verhältnis zu Qualität und Wert setzt?

Ich kann mich selbst nicht davon freisprechen, verantwortungslos oder leichtsinnig in das Wurstregal im Supermarkt zu greifen. Erst als mir Frank Plasberg und das SZ-Magazin unverblümt und unabhängig vom Dioxin-Skandal mal wieder ins Bewusstsein riefen, was dort hinter den Toren der Mastindustrie abläuft, bekam ich den Schreck, der meist proportional zum abebbenden Medienthema weniger wird. Langfristig, so steht es in den meisten Artikeln, verändere nur ein kleinster Bruchteil der Verbraucher sein Essverhalten auf Grund von Schockreportagen oder Lebensmittelskandalen.

Ich, die Studentin, die mit Salami oder Schinken kaum einen Tag ohne Fleisch verbringt, und sich lange Zeit über so manchen Vegetarier lustig gemacht hat, bin plötzlich neugierig, selbiges auszuprobieren. Zehn Tage lang keine Wurst, keine Bolognaise-Soße, keine Pizza Speciale. Es fühlt sich als Nachteil statt Disziplin an, dass es mir keine Probleme bereitet – denn was mich durch diese zehn Tage bringt, ist neben dem Ekel abscheulicher Tierhaltung und -tötung banal wie typisch für mich: Ehrgeiz.

Der Drang, alles richtig zu machen und nicht als Verlierer dazustehen, ganz gleich ob vor einem selbst oder den Mitmenschen. Befrage ich mein verfressenes Konsumhirn dazu, kommt bloß heraus: Wenn Fleisch nicht so unverschämt lecker wäre, könnte ich doch einfach ganz und für immer damit aufhören. Oder wie es ein Freund formuliert: „Die zehn Tage hältst du ja vor allem deswegen durch, weil du weißt, danach kannst du wieder zurück.“ Stimmt.

Doch dieser Selbstversuch bedarf ja nicht einmal besonderer Willensstärke oder die Fähigkeit der Entbehrung, nicht mal für mich Wurstbrotfetischist. Der Beweggrund der Idee war die Neugier auf die Gedanken und Schlüsse, die mich in dieser doch recht kurzen Zeit begleiten. Wie oft man es doch fast vergisst, was man tut, und wie tückisch der Alltag sein kann, wenn man doch in Wirklichkeit nichts als ein hungriger, beinahe mittelloser Student ist.

Was folgt sind meine Notizen, die ich, äußerst unkoordiniert und nachlässig wie ich bin, meist nachts oder am nächsten Morgen vom entsprechenden Tag niedergetippt habe, in einer Mail an mich selbst, zum selbst antworten, mit dem einzigen Wort „fleisch“ im Betreff.

Tag 1, Dienstag.

Eine Überdosis Euphorie und Strebsamkeit ob des neuen Alltags ebnet mir selbst sonst noch so unbeliebte und unbequeme Wege. Ich liebe Selbstversuche! Im Stechschritt bewege ich mich in die Vegetarier-Ecke der Essensausgabe meiner Mensa, und mache direkt auf dem Absatz kehrt – meine Wahl fällt auf die Nudeltheke, vegetarische Tomatensoße. Später, nicht weniger hungrig leider, lande ich in meiner begehbaren Wohnküche, einzig unbedenklich hier sind aber Frühstücksflocken. Entscheide mich für Lakritz und Smarties, frage mich, ob Hühnerbrühe bedenklich ist, wenn sie keine Fleischreste enthält? Welch Unsinn, natürlich ist sie das! Zehn Tage, denke ich da noch, ist ja ein Klacks. Lieber mein ganzes Leben. Hmh.

Tag 2, Mittwoch.

Der Streit mit meiner Mutter, ob man sich zur fragwürdigen Tierhaltung Gedanken machen muss, oder nicht schon genug Probleme hat, und wenn man anfinge mit diesen Gedanken über Bilder und Schreckgeschichten der Realität, doch eh nie wieder mit Appetit Fleisch essen könne, macht mir auf dem Heimweg ein haha, tierisch schlechtes Gewissen. Ich schreibe ihr, sie solle sich keine Gedanken machen. Ich vertraue ihr mal, dass sie auf mich hört, statt zu denken, sie sei verantwortungslos und skrupellos der ihr untergestellten Nahrungskette gegenüber.

Davor zerlege ich ihr und dem Kater Brühwürste in mundgerechte Stücke, beide können grad nicht so gut kauen, wenn auch aus verschiedenen Gründen. Aber wir waren ja schon beim Heimweg. Ihn hinter mich gebracht wird’s leider ernst. Da ist immernoch nichts fleischfreies in meiner Wohnung. Bin verdammt kurz davor, alte Salami in mich hinein zu stopfen. Verziehe mich mit trockenen Frühstücksflocken ins Bett, wieder nur Nudeln im Bauch, weil ich auf dem Weg zur Wurstbrötchen-Cafeté merkte, dass ich ja grad diesen Selbstversuch zum neuen Hobby gemacht habe. Hobby, ich hatte noch nie eins!

Tag 3, Donnerstag.

Ich frühstücke drei Erdbeer-Actimels im Büro. Nein, garnicht wahr, eins davon verschenke ich an jemanden, dem ich voller Herzenswärme immer mein Essen schenke. Es gibt nichts schöneres als das. Wieder einmal angekommen in der Mensa wage ich mich an die Pilzsoße, weil meine Freundin mutmaßte, in den Germknödeln sei Pflaumenmuß – pfui Teufel. Später dann mein erster Besuch im Supermarkt, das ist hart. Völlig neues Gefühl, kurzfristige Überforderung, so viel Wurst. Kurze Überlegung, alles hinzuwerfen, den Gedanken aber verworfen, gefolgt von einem Hochgefühl an Moral und Vorbild brauche ich eine gute Stunde in der Tiefkühlabteilung. Finde fleischlose Pizzabaguettes, sogar im Sonderangebot. Nehme sie mit. Verwirrt wie ich bin, vergesse ich die Hälfte, lass alles bei der Kassiererin stehen, kaufe tierfreien Brotaufstrich, dazu jede Menge Wein und Zigaretten. Ausgleich.

Tag 4, Freitag.

Heute versuche ich mich in Selbstversorgung, was jede Menge Tomaten und Gurken und Baguette mit Eiaufstrich zum Frühstück bedeutet. Verbringe den Tag im Ruhesaal der Bibliothek, wo sich ein Kommilitone zu mir gesellt. Später sind wir ausgehungert und voll von Vorfreude ob des Abends mit Junkfood, bis mir wieder diese eine Sache einfällt. Die mir grundsätzlich sehr spät einfällt. Beim Dönermann gibt es kaum eine Alternative. Wir landen in der Pizzaria, von deren Nudeln mit Käsesoße mir am nächsten Mittag noch übel ist. Langsam reicht’s.

Tag 5, Samstag.

Faste den ganzen Tag lang, weil ich eine tolle Einladung zum Essen bekommen habe. Chili con Carne. Ahne die ganze Woche lang nicht, was daran ein Problem darstellen könnte. Erst eine Straßenbahnhaltestelle vor dem Ziel wird mir klar, dass ich ein Schwachkopf bin. Ich bekomme ein Ersatzgericht und schaue den Jungs dabei zu, wie sie ganz wild vor Freude das pure Hack aus meinem Chili bekommen, dessen Gemüsezutaten fein säuberlich von meiner Gabel und meinem Hunger entfernt wurden.

Tag 6, Sonntag.

Ich bin zu Besuch in einem Dorf, und dort gibt es Schokobrötchen. Ich bin sehr hungrig, versuche aber, mir nichts anmerken zu lassen (ich bin nie hungrig, habe kaum Appetit, immer nur Stress, doch jedes mal, wenn ich dort zu Besuch bin, könnte ich essen und sonst nichts. Das verstehe ich nicht), und ärgere mich, dass ich Schokobrötchen in den letzten Tagen nicht schon als Grundnahrungsmittel anerkannt habe. Im Dialog zwischen Himbeertorte und Kartoffelschleim stelle ich fest, dass ich nicht weiß, ob es Ehrgeiz oder freiwilliger Verzicht ist, der sich durch diesen Selbstversuch zieht wie ein roter Faden.

Tag 7, Montag.

Zum Frühstück gibt’s Tee, der Blick in den Kühlschrank lässt keine andere Wahl übrig. Später beim Bäcker kaufe ich Körnerbrötchen, um sie ohne alles aufzuessen. Daheim angekommen muss wieder einmal der Single-Ofen herhalten, um mir meine beinahe ans Herz gewachsenen Pizzabaguettes aufzubacken. Den Rest des Abends lenke ich mich mit einem 500-Teile-Puzzle von meiner kaum spürbaren Fleischsehnsucht ab. Viel aufdringlicher sind die größer werdenden Gedankenanteile zur Zeit danach. Ob ich einfach wieder guten Gewissens Produkte von abartig gequälten Tieren essen kann oder überhaupt will.

Tag 8, Dienstag.

Supermarkt Klappe die zweite, ich irre wieder orientierungslos umher, lande wieder bei der Tiefkühlkost, nachdem ich Gemüsebuletten suche aber nur fleischfreien Gemüseaufstrich finde – und kaufe. Auf meiner imaginären Einkaufsliste stehen zwei Pizzen für meine Freundin und mich, die wie ich denke mehr aus Zufall als aus Solidarität Pilze auf ihrer Pizza wünscht. Ich greife beim selben Hersteller zu „Vegetare“ – Peperoni, Tomaten, Zwiebeln und Paprika versprechen einen akzeptablen Fleischersatz.

Ich schleppe also all die Leckereien ausgehungert ins Altbau-Dachgeschoss in mein großzügiges Loft, um festzustellen, dass der erst kürzlich in Betrieb genommene Single-Pizza-Ofen eine Entscheidung getroffen hat. Nicht zu meinen Gunsten, versteht sich. Als er wählen musste, ob die Ober- oder Unterhitze einem Defekt erliegen soll, hat er sich selbstverständlich für die Oberhitze entschieden, was unsere Pizzen von unten schwarz und von oben matschig werden ließ. Aber Essen ist doch nicht alles. Oder?

Tag 9, Mittwoch.

Ich weiß nicht mehr was läuft, alles versinkt in Arbeit, das Projekt fleischfrei wird zum Stiefkind. Was esse ich? Grässliche Bio-Vollkorn-Nudeln in der Mensa, die nur von einem herzerfrischenden Gegenüber erträglich gemacht werden. Wir spielen Fahrkartenquartett während mein Blick auf seinen Gulasch-Stücken klebt wie meine Nudeln aneinander. Vorher habe ich garnichts gegessen, genau genommen, was mir nicht auffällt weil es nichts neues ist, ist meine ganze Ernährung außerhalb jeglicher Kontrolle. Den Rest des Tages kann ich nicht rekonstruieren, egal wie sehr ich mich anstrenge. Nebel.

Tag 10, Donnerstag. Fazit.

Es gibt diese Momente. Da träumt man von Salami-Brötchen und Schinken-Toast wie andere Mädchen meines Alters von der neuen Zara-Kollektion. Und es gibt die gefährlichen Momente. Die, von deren Gefahr mir erst gute fünf Stunden später bewusst wird. Ein Freund will mich wieder und wieder davon überzeugen, mich am Frühstücksbuffett zu bedienen – ja sogar noch reichlich mit einzustecken, „für schlechte Zeiten“. Pause für Pause lehne ich dankend ab, Bauchweh, keinen Hunger, wie jeden Tag. Mir kommt nicht in einer Minute in den Sinn, dass ich es ja garnicht essen darf, weil Wurst unter dem zarten Dekor aus Gurke und Tomate platziert ist.

Jetzt packt mich der Schreck, hätte ich es gegessen, wenn ich Hunger gehabt hätte, weil ich es immer und immer wieder vergesse, welcher Selbstversuch meinen Alltag bestimmt? Anderer Ort, gewissenhafte Besserung: weiter Appetitlos begleite ich die Kollegen in die Mensa, esse eine Birne. Wegen des Artikels bekomme ich leichte Gewissensbisse: Heute wäre die letzte Chance, auf den Geschmack von Fleischersatzprodukten zu kommen, zumindest innerhalb dieser Geschichte hier. Und was steht auf dem Speiseplan?

Tofu-Geschnetzeltes in Rahmsoße. Die Freundin brüllt bei der Essensausgabe zu einer anderen herüber: Hey, das ist kein richtiges Fleisch! Und sie: Ach, ist doch egal! – Selbige sitzt natürlich den Rest der Mittagspause unmittelbar neben mir. 30 Minuten lang hätte ich davon kosten können, habe ich aber nicht. Kein Tofu für mich. Sehr schade, es wäre die Krönung meines Versuchs gewesen, ja gar eine Pflicht innerhalb dieses Selbsttests.

Mein 10-Tage-Versuch endet mit haufenweise Ungewissheit, was ab morgen ist, ob ich mich ab morgen schlecht fühlen muss für Burger und Pizza? Ich schaue auf mein trockenes Toastbrot und finde keine Antwort.

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In Fragen der Freiheit 2011/02/03/in-fragen-der-freiheit/ 2011/02/03/in-fragen-der-freiheit/#comments Thu, 03 Feb 2011 08:36:43 +0000 Lars ?p=803 In der Welt der Tobt der Freiheitskampf, millionen Menschen gefangen in totalitären Regimen drängen für Selbstbestimmung und Chancengleichheit auf die Straßen. Es ist eine Revolution der Menschenrechte, und keine der religiösen Überzeugungen. Es sind die Werte, die in der westlichen Welt seit Jahrzehnten im Alltag verwurzelt sind, die jetzt auch in den Köpfen anderer aufkeimen. Aber in Europa, wo die religiöse Überzeugung immer mehr an Wert verloren hat, und die zivilisatorischen Errungenschaften wie Menschenrechte und Sozialstaat immer mehr zum Spielball der finanziellen Möglichkeiten der Wohlstandsgesellschaft geworden ist, stellt sich die Frage: Was muss passieren, dass auch wir hier auf die Straße gehen? Wo ist unsere rote Linie?

Auf den ersten Blick hinkt der Vergleich. In Europa kocht die Vollsseele nicht. Die Mitbestimmung im demokratischen System ermöglicht es jeder Interessengruppe sich intensiv in der öffentlichen Debatte einzubringen, und auch Außenseiterpositionen kommen zu Wort. DieWillensbildung erfolgt über von der Mehrheit legitmierte Abgeordnete, und die meisten von der Bevölkerung ungebliebten Entwicklungen werden in der nächsten Legislaturperiode wieder von der politischen Agenda gefegt. Aber auf den zweiten Blick sieht man die wackeligen Beine auf denen der Wohlstand in unserem Staatengebilde aufgebaut ist:

  • Die Staaten sind überschuldet
  • Die Arbeitslosigkeit ist flächenddeckend hoch (Auch in Deutschland)
  • Gespart wird in den Sozialetats
  • Ungelernte Arbeit wird ins billiglohn Ausland verlagert
  • Bildung wird industrialisiert
  • Politik ist vom Meinungs- zum Machtkampf verkommen
  • Die gesellschaftliche Entwicklung zeigt wenig Wege für bürgerliches Wachstum auf
  • Der Jugend fehlen Perspektiven

Man darf die Sturkturprobleme nicht mit den Problemen in Ägypten, Tunesien oder dem Jemen gleichsetzen. In Europa erodieren die Strukturen, in Afrika und dem Nahen-Osten sind sie überhaupt nicht vorhanden. Was man aber sollte, ist sich bewusst zu machen, was das ist, was in den letzten 100 Jahren in Europa entwickelt wurde und wonach die Menschen heute weltweit streben: Bürgerliche Freiheit in einem abgesicherten Sozial- System.

Und man muss sich bewusst machen, dass wenn es sich für etwas zu kämpfen lohnt, dann für das Recht an einer Gesellschaft teilzuhaben, sich selbst zu entfalten und in Schwierigkeiten Hilfe zu erfahren.

In Europa tendieren die Regierungen unter dem Druck der hohen Verschuldung mit diesem Grundgut zu brechen. Wir öffnen die viel zitierte Schwere in der Gesellschaft mit einer unvorstellbaren Geschwindigkeit. Die Staaten ziehen sich immer mehr aus der Unterstützung der Bürger zurück, die medizinische Versorgung wird privatisiert und die soziale Unterstützung auf ein Minimum zurückgefahren. Die Jungen und die Alten finden keinen Halt mehr im Arbeitsmarkt, und die Möglichkeiten sich selbst aus der Armut in die Mittel- oder Oberschicht zu arbeiten schwinden von Jahr zu Jahr. Unvergessen bleiben die Straßenkämpfe in Frankreich als im Jahre 2005 das unvorstellbare passierte, und jungendliche aus Armutsviertel Nacht für Nacht die Pariser Vorstädte mit ihrem flammenden Protest in bürgerkriegsähnliche Schauplätze verwandelte. Nicht wenige warten damals vor den Anfängen, aber die meisten haben die Warnzeichen nach der letzten erloschenen Mülltonne auch wieder aus ihrem Kopf entsorgt.

Europa ist nicht aus sich selbst ein Ort der Freiheit und der Chancen geworden, sondern wir haben uns dazu entwickelt. Es ist keine 70 Jahre her, da war Deutschland noch eine Diktatur. Spanien führte die Demokratie erst 1975 ein, und der der Ostteil der EU wurde erst 1990 mit Zusammenbruch der Sowejetunion in die Freiheit entlassen. Und diese Entwicklung muss ins Bewusstsein der Menschen, es muss schluss gemacht werden, mit der Haltung der Selbstverständlichkeit. Es muss wieder in die Köpfe der Menschen und der Politiker, wofür dieses System gemacht und erdacht wurde: FürFreiheit und Chancengleichheit

Die Entwicklung der Ungleichheit der Möglichkeiten in der europäischen Gesellschaft darf nicht so weitergehen. Der Frieden und die Freiheit für uns alle stehen dann auf dem Spiel, sobald die Ungerechtigkeit so unerträglich wird, dass sich die Übervorteilten erheben müssen, um zu überleben. Man darf nicht länger die Augen verschließen und nur auf sich selbst gucken.

Man muss kämpfen:

  • wenn ein freies System zu einem Zwei-Klassen-System mutiert
  • wenn Bildung den Menschen und die freiheitlichen Werte aus dem Blick verliert
  • wenn Kranke sich die Ärztlicheversorgung nicht mehr leisten können
  • wenn die persönliche Qualifikation nicht mehr über Aufstiegschancen bestimmt
  • wenn in der Gesellschaft nur noch Platz für Eliten ist
  • wenn bürgerliche Mitbestimmung unterbunden wird
  • wenn die Menschenrechten mit Füßen getreten werden
  • wenn Unfreiheit den Alltag bestimmt

In Europa muss die breite Masse heute noch nicht auf die Straße, bis jetzt sind die meisten Einschränkungen in der Lebensentaltung noch Randgruppen aufgebürdet, und fern von der Mehrheit der Gesellschaft. Aber in Europa sollte das Bewusstsein der Freiheitswerte immer und immer wieder in den Vordergrund gestellt werden, gerade vor dem Hintergrund der geschichtlichen und heute alltäglichen Erfahrungen unser Nationen. Unfreiheit muss an der Wurzel bekämpft werden. Wir sollten uns nicht zufrieden damit geben, mit dem Level der Freiheit und Chancengleichheit von heute.

Idealismus in Fragen der Freiheit ist mehr als eine Tugend. Es ist eine Bürgerpflicht.

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Polaroid Paranoid IV 2011/01/31/polaroid-paranoid-iv-2/ 2011/01/31/polaroid-paranoid-iv-2/#comments Mon, 31 Jan 2011 17:16:28 +0000 Lars ?p=790 Fotografien von Jessica S.

HimmelBLAU

Schatzkiste

Spuren hinterlassen

Tunnel

Vor der Tür

Zu gelaufen

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“Hast du seltsame Marotten? Ich wett’ ich kann sie toppen!” 2011/01/30/hast-du-seltsame-marotten-ich-wett-ich-kann-sie-toppen/ 2011/01/30/hast-du-seltsame-marotten-ich-wett-ich-kann-sie-toppen/#comments Sun, 30 Jan 2011 20:06:31 +0000 Nadine ?p=784 Musik zum Sonntag

Ein unersetzlicher Rat der Sportfreunde bringt euch heute in den Abend:

Hallo Du – Unplugged

Und für all diejenigen, die es noch nicht mitbekommen haben – die Helden liefern ein zweites Prachtstück des neuen Albums:

Wir sind Helden – Alles auf Anfang

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Die CDU findet nicht statt 2011/01/29/die-cdu-findet-nicht-statt/ 2011/01/29/die-cdu-findet-nicht-statt/#comments Sat, 29 Jan 2011 08:21:54 +0000 Lars ?p=779 Serie: Flucht aus den Volksparteien
Teil V: Die CDU

Es ist eine Entwicklung, die jeden engagierten CDU Politiker in den Wahnsinn treiben muss. Da reibt sich der ein oder andere, Tag ein – Tag aus, für die Partei auf, und am Ende sitzt ganz Deutschland auf dem Sofa und guckt nur auf die Kanzlerin. Die letzte Volkspartei verliert sich in der Person Angela Merkel und merkt es nicht. Schon wieder, will man sagen.

Wenn man heute über die CDU schreibt, muss man über die Regierung schreiben. Eine andere Wahl hat man kaum. Die Partei ist in der öffentlichen Wahrnehmung verschwommen und mit der Regierung verwachsen. Dabei sollte das Profil geschärft und der konservative Markenkern wieder in den Vordergrund gestellt werden, und was ist passiert? Nichts. Die CDU kommt aus der Zange des Wahnsinns, auch Koalition genannt, nicht heraus. Auf der einen Seite treiben die Politiker der FDP einem die Tränen in die Augen (klick), auf der anderen Seite übt sich die vom gestörten Selbstwertgefühl geplagte CSU um die maximale Sendezeit auf allen Kanälen. Für die CDU scheint im Medienzirkus kein Platz mehr zu sein.

Die CDU und der Wutbürger

Mit dem Versuch sich offensiv gegen den Wutbürger zu positionieren, und die immer „gefährlicher“ werdenden Grünen wieder zu Recht zu stützen, gibt sich die Partei der Lächerlichkeit preis. Die „Dagegen-Kampagne“ ist zu durchschaubar politisch motiviert als dass sie überzeugen könnte. Und wenn es um den Aufmerksamkeitsfaktor geht, hat hier die CSU mit ihrem Grünen-Schmäh-Video besser gezeigt wie das mit der Negativ-PR funktioniert.

Wenn die Flügel nicht mehr schlagen

Die CDU verpasst den Absprung in die Moderne. Die konservative Grundausrichtung ist damit nicht gemeint. Kräfte die mehr erhalten als gestalten wollen gibt es in großer Breite in der Bevölkerung. Im Gegensatz zum liberalen Koalitionspartner, geht der CDU auch nicht die Kernklientel verloren, nein, sie bemerkt nur nicht, dass die Gesellschaft sich ändert. Früher war es die große Stärke der CDU fest in der Gesellschaft verankert zu sein. Sie hat die Kräfte der Gesellschaft über die große Pluralität ihrer Flügel hinter sich vereint.

Die Flügel der CDU

• Die Jungen Union
• Die Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung
• Die Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA)
• Die Senioren-Union
• Die Frauen-Union
• Die Ost- und Mitteldeutsche Vereinigung
• Die Kommunalpolitische Vereinigung

Da sich aber nicht nur immer weniger Menschen in Parteien organisieren, sondern sich in Deutschland allgemein immer weniger Menschen irgendwie organisieren, verlieren auch die starken Flügel in der Partei immer mehr an Schlagkraft. Und mit dem Niedergang des Gemeinwesens. So langsam dies auch von statten gehen mag, entmannt sich die Partei selbst. In der CDU beginnt es ja beim Spitzenpersonal. Es ist kein Geheimnis das die Personen die neben der Kanzlerin an Strahlkraft gewinnen aus dem Amt gelobt, oder in der Provinz vergessen werden. Es gibt in der CDU keine Nr. 2, höchstens eine perspektivlose Nr. 3, wenn man Wolfgang Schäuble zu den Ehren kommen lassen will, die er in der Rückschau verdient. Und der Nachwuchs tut sich schwer, Ministerin Köhler, macht mit ihrer Schwangerschaft mehr Nachrichten, als mit ihrer aus der Not geborenen Neuordnung des Zivildienstes. Der Freiwilligendienst ist eine unnötige Doppelstruktur, und hätte ohne Schwierigkeit in die Organisationsstruktur des Freiwilligen Sozialen Jahrs (FSJ) eingebunden werden können. Aber wer will sich schon sein Gesellenstück aus der Hand nehmen lassen. Und so gibt es halt keine neue effiziente Organisation, sondern ein weiteres bürokratisches Konzept, dass zudem ab jetzt mit einer vorhandenen Organisation im Wettstreit um die Freiwilligen im Lande steht.

Kein Akt der Wahrheit

Und auch die beliebte Arbeitsministerin von Leihen kann wenig an Glanz für die Partei beitragen, zwar sind die Zahlen die ihr Haus melden kann, von Monat zu Monat besser vorzulesen, aber es bleibt immer das Geschmäckle hängen, dass niemand mehr im Land, diesen mehrfach statistisch bereinigten Zahlen noch traut. Die Unart Arbeitssuchende die in „Hauseigenen“ Fortbildungen oder auch „Maßnahmen“ stecken, nicht mehr mit zuzählen, ist für den Verstand der blanke hohn. Zugegeben, geboren ist diese Zählweise unter SPD-Ministern, aber es wäre ein Akt der Wahrheit gewesen, wenn die CDU mit dieser Sitte gebrochen hätte. Es ist unverständlich, warum die Politik meint, sie könnte weiter Land gewinnen, mit offensichtlichen Unwahrheiten. Hier bricht die in der Politik weit verbreitete Meinung vom unmündigen Bürger zu Tage, und es ist kein Einzelfall.

Die Ein-Personen-Partei

In der Regierung Merkel quälen sich die Minister durch ihr Amt und werden am Ende mit Missachtung gestraft. Es ist die große Kunst der Kanzlerin die Erfolge der Regierungsarbeit auf sich zu fokussieren. Es ist die große Schwäche der Partei, dass sie es zu lässt. Schon wieder. Dasselbe spiel war in der Zeit von Kanzler Helmut Kohl zu verfolgen. Die Partei generierte sich im Gegensatz zum Koalitionspartner FDP nicht zur Ein-Themen-Partei, sondern zur Ein-Personen-Partei. Die politischen Vertreter der CDU im Bund und oft genug auch in den Ländern, waren so auf die Person und die dazu gehörige Reaktion des Kanzlers fixiert, dass die CDU in Deutschland in eine Lethargie gerutscht ist, von der sie sich selbst heute noch nicht ganz erholt hat.
Die aufkommende Lähmung einer Partei, in der Bewegungs- und Regungslosigkeit seiner Führung ist die große Chance des politischen Gegners. Wenn die SPD den Wankelmut der letzten Jahre verlieren würde, und dem Bürger wieder eine konstante politische Linie bieten könnte, wäre der Regierungswechsel programmiert. Die CDU hält sich durch die Schwäche der politischen Konkurrenz fest im Sattel.

Überzeugte Handlungsunfähigkeit

In der CDU herrscht der spürbare Mangel an Ideen und Konzepten, oder viel mehr den Mut für diese einzustehen. In den letzten Jahren wurden wenig Fehler gemacht, das darf man so sagen. Deutschland wurde sicher durch die Krise geführt, die Stimmung im Land ist gut. Aber hat die CDU wirklich durch Entscheidungsstillstand dazu beigetragen? Hier darf man sich streiten, ob es Weitsicht war, möglichst wenig und spät auf die Entwicklungen der Welt zu reagieren. Überzeugend im Punkt der Handlungsfähigkeit war es jedenfalls nicht. Immerhin musste die CDU und für sie die Kanzlerin, in fast jeder ersten Position später den Sachzwängen nachgeben, und sich bewegen. Seien es die Konjunkturpakete I und II, oder der EU-Rettungsschirm.

Stillstand ist nicht die Antwort

Wegen der Geschwindigkeit, mit der sich die CDU hinter Kanzlerin Merkel wieder auf die bekannte „Ruhige Hand Strategie“ der Kohl Ära geeinigt hat, fällt es der Opposition schwer die CDU in Sachfragen zu stellen. Hier halten in erster Linie die Koalitionspartner den Kopf hin. Wenn es Taktik ist, dann ist es eine zynische. Nicht nur, dass die CDU ihre eigenen Partner verbrennt, sie nimmt auch sich selbst die Chance für die Gesellschaft mehr zu sein, als die große Konstante. Man sieht dieser Tage in Nordafrika selbst, wie es Systemen ergeht, die nur auf Bestand ausgerichtet sind. Die CDU muss eine Perspektive für die Bürger entwickeln, die über Wohlstanderhalt hinaus geht. Die Bürger wissen zu gut, dass im Zuge der Aufstrebenden Nationen eine Umverteilungswelle im Gang gekommen ist, der wir mit Stillstand nicht begegnen können.

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