26 Feb 2011

Eine Frage des flüchtigen Glaubens

Kein Kommentar Kulturbeutel

Immer häufiger wenn Medien sich widersprechen hat keiner Recht. Verlierer ist der flüchtige Leser, der sich von skandalisierenden Autoren aufs Glatteis führen lässt. Hier ein Paradebeispiel:

Ein kurioser Fall. Ein Angestellter eines Supermarktes mit muslimischen Glauben strengt eine Klage vorm Arbeitsgericht an, weil er aus Glaubensfragen keinen Umgang mit Alkohol haben will (aus seiner Sicht, haben darf). Der Fall geht durch die Instanzen und am Ende wird ein Urteil gefällt.

Die FAZ titelt am Freitag den 25.2:

Am gleichen Tag der Soester Anzeiger:

Dass in diesem Fall keine der beiden Überschriften den Leser zum Ziel führt, wird erst bei eingängiger Beschäftigung mit dem Sachverhalt klar. Die Sache ist nämlich: Genau in diesem Fall hat das Gericht garnicht entschieden, ob der Angestellte seinen Job wieder bekommen kann, ohne Bier einzuräumen oder eben nicht.

Entschieden wurde, dass wenn ein Arbeitgeber die Möglichkeit hat einen Arbeitnehmer in einem anderen Betriebsteil zu beschäftigen, dieser wegen der Weigerung aus Glaubensgründen nicht entlassen werden darf.

Die Prüfung des Einzelfalls wurde wieder an die vorherige Instanz zurück geleitet.

Die einzige direkte Konsequenz die sich nach dieser Berichterstattung aus dem Urteil ableiten lässt, ist eine weitere gesellschaftliche Verunsicherung und größere Vorurteile gegen Angestellte muslimischen Glaubens. Arbeitgeber selbst werden wenig ins Zittern kommen. In der Regel stellen sie Personen mit einer klaren Aufgabenstellung ein. Sollte dieser sich später aus Glaubensfragen nicht mehr bereit erklären die gestellten Aufgaben zu erledigen, wird kein Gericht verlangen ihn in einer anderen Position (mit anderem Aufgabengebiet) weiter zu beschäftigen. Der Fall liegt nur anders, wenn wie in diesem Fall geprüft wird, ob der Arbeitgeber nicht noch eine andere passende Aufgabe für den Angestellten hat. Hat er diese, sollten doch beide froh sein. Beiden wird geholfen. Dieses Urteil ist also gut für Arbeitgeber und Arbeitnehmern.

Hat der Arbeitgeber diese Aufgabe aber nicht, muss der Angestellte den Hut nehmen. So ist das halt.

Verfasst von:
www.trivialkultur.de
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